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     Einsatz WM-Spiel Deutschland-Polen Drucken E-Mail
Es war wirklich kein Abend für schwache Nerven: Die deutschen Fußballfans mussten am Mittwochabend buchstäblich bis zur letzten Minute zittern, bis das Spiel gegen Polen im Dortmunder Fußballstadion gewonnen war.

Danach verwandelten sie die Dortmunder Innenstadt in einen Hexenkessel. Für die beiden Mendener Malteser-Rettungssanitäter Jens Normann und Matthias Mende vor Ort bedeutete das das Ende eines bis dahin ruhigen Abends.

Dabei hatte alles ganz ruhig angefangen: Mit dem Krankentransportwagen der Malteser waren die beiden Rettungssanitäter als Teil einer vom Märkischen Kreis zur Unterstützung in Dortmund angeforderten Krankentransporteinheit gemeinsam mit dem Einsatztrupp des Arbeiter-Samariter-Bundes Menden am Mittwochmittag zur Feuerwache Hagen aufgebrochen. Dort wurde die Transportkomponente Arnsberg zusammengestellt - insgesamt fünf Notarztwagen, fünf Rettungswagen, zehn Krankentransportwagen (KTW), drei Mannschaftswagen sowie zwei Versorgungs- und ein Werkstattwagen. Im Verband ging es mit Blaulicht Richtung Dortmund. Ihr Ziel: das Werksgelände Thyssen-Krupp-Strahl. Hier war ein Bereitschaftsplatz mit mehreren hundert Einsatzfahrzeugen und ehrenamtlichen Helfern eingerichtet worden. Sollten die Rettungskräfte in der Innenstadt oder im Stadion Unterstützung benötigen, könnten sie über die Leitstelle Dortmund von hier angefordert werden.

„Was heute auf uns zukommen wird, wissen wir nicht“, waren sich Truppführer Jens Normann und Fahrer Matthias Mende einig. Sie mussten nach der Ankunft auf dem Gelände um 17 Uhr zunächst die Stromversorgung für den KTW herstellen und die Anweisungen der Transportkomponenten-Leitung inklusive Stadtplänen in Empfang nehmen. Danach breitete sich unter den hunderten Helfern auf dem riesigen Werksgelände schnell eine freundschaftliche und entspannte Stimmung aus: Das THW Dortmund sorgte in einer offenen Werkshalle für die Vollverpflegung der ehrenamtlichen Helfer und hatten für die Fußballübertragung eine Großleinwand organisiert. Die Stimmung war phänomenal, und der kurze Zwischenbericht der Hagener Feuerwehrleute um 20 Uhr versprach Malteser-, DRK-, Johanniter-, Feuerwehr- und THW-Kräften einen geruhsamen Fußballabend: In der Innenstadt sei alles unter Kontrolle. Dem Anpfiff stand so aus Helfersicht nichts im Wege, und den verfolgten etwa 500 Ehrenamtliche, die Nationalhymne mitsingend, in der Thyssen-Krupp-Halle.

Den Siegtreffer sollten die beiden Mendener Rettungssanitäter aber schon auf dem Gelände der Feuerwache 1 erleben, denn pünktlich zum Halbzeitpfiff wurde die Transportkomponente Arnsberg von dort angefordert. Die Fahrt des Konvois mit Blaulicht und Sirene durch die Stadt ließ viele Passanten Fotoapparate zücken, bevor sie um 22.10 Uhr auf dem Feuerwehrhof endete. Die Lage in der Innenstadt begann, sich zu zuspitzen: Allein auf dem Friedensplatz seien 12000 Menschen, und die Polizei hätte den Platz für weitere Fans gesperrt, hieß es seitens der Feuerwehr Dortmund. Unter den Mitgliedern der Transportkomponente machte sich Anspannung breit. Noch war nichts geschehen. Mit dem Jubel und hunderten hupenden Autos sollte sich nach dem Siegtreffer um 22.46 Uhr die Situation jäh ändern: Die Feuerwehr Dortmund übernahm die Helfer in ihren regulären Rettungsdienst und stellte jedem Wagen einen ortskundigen Lotsen zur Seite. Um 23.13 Uhr meldeten sich die Malteser Rettungssanitäter Jens Normann und Mathias Mende einsatzbereit. Und nur eine viertel Stunde später musste die Mendener Truppe mit dem KTW 10/85/02 auch schon das erste Mal ausrücken: eine verletzte Person in der Nähe des Friedensplatzes wurde gemeldet.

Von da an waren alle hoch konzentriert, vor allem Fahrer Mathias Mende, denn der Verkehr rund um die Innenstadt war durch die Autokorsos fast zum Erliegen gekommen, mehrere hundert Menschen liefen Fahnen schwenkend und singend unkontrollierbar im Bereich der Innenstadt umher. Die gemeldete Person konnten die Mendener Sanitäter in dieser unübersichtlichen Situation vor Ort nicht finden. So sollte es in dieser Nacht vielen Einsatzkräften des Verbandes ergehen. Wieder zurück an der Feuerwache dauerte es erneut nur wenige Minuten, bis der nächste Auftrag für 10/85/02 kam: wieder eine verletzte Person, diesmal in einer S-Bahn-Station. Der Mann hatte durch einen Schlag Schmerzen am Arm, musste aber nicht als Notfall in eine Klinik gebracht werden.

Gegen 1.00 Uhr nachts entspannte sich die Lage merklich, was vielleicht auch dem plötzlichen Unwetter über Dortmund zu verdanken war: Die Einsatzfahrzeuge mussten nicht mehr im Fünf-Minuten-Takt den Hof verlassen. Und so konnte die Feuerwehr nach und nach die Einsatzpflicht für die Fahrzeuge der Arnsberger Komponente aufheben. Die Dortmunder Kräfte waren für die hervorragende und unkomplizierte Hilfe, die angesichts der Größenordnung des Einsatzes erstaunlich reibungslos verlaufen war, dankbar: „Diese Kooperation der verschiedenen Kräfte auf interkommunaler Ebene ist beispielhaft.“ Und auch Jens Normann und Matthias Mende waren mit dem Verlauf des Abends sehr zufrieden: „Wir sind froh, dass wir heute abend höchstens auf leicht verletzte Personen getroffen sind“, erklärten die beiden, die es nicht bedauerten, in dieser Nacht mehr Blaulicht als Fußball gesehen zu haben. 

 
 

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